Die neue Ausgabe des >blickwinkel ist da!
Ein Einblick in die Praxis aus Schule und Jugend(sozial)arbeit
In dieser Ausgabe widmen wir uns Erfahrungen der Jugendarbeit und Schule im Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Schulen und Jugend(sozial)arbeit haben nicht nur ein großartiges Potential, sondern auch die Aufgabe, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, sich zu demokratischen und menschenrechtlich geprägten Persönlichkeiten zu entwickeln. Festgeschrieben ist dies in den Schulgesetzen der Länder wie auch in § 11 des SGB VIII zur offenen Kinder- und Jugendarbeit. So heißt es etwa in § 1 des Berliner Schulgesetzes: »Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde, der Gleichstellung der Geschlechter und im Einklang mit Natur und Umwelt zu gestalten.«[1]
Das ist sicherlich kein ganz unkompliziertes Ziel angesichts einer politischen Weltlage, in der ein konstruktives
und friedliches Miteinander stark herausgefordert ist. Es gibt kraftvolle Bemühungen, um Demokratie und soziales Zusammenleben in und außerhalb von Deutschland zu destabilisieren. Sogenannte Tech-Milliardäre und Wirtschaftsgiganten greifen in Wahlkämpfe ein und stellen die Grundlagen eines sozialen Rechtsstaats, bisweilen unter Rückgriff auf Verschwörungserzählungen, aktiv in Frage. Autokraten regieren Weltmächte und machen demokratische Prinzipien verächtlich, während sie gleichzeitig schamlos an ihrem persönlichen Machtzuwachs arbeiten. Populistische Parteien bekennen sich indes offen zu ihnen und versuchen Bündnisse wie die EU zugunsten nationalistischer Interessen
abzuwickeln. Weltweite Kriege und Konflikte wirken in das Zusammenleben auch in Deutschland hinein. Und die sich weiter drastisch zuspitzenden globalen Auswirkungen des Klimawandels scheinen in dieser politischen Großwetterlage oftmals kaum noch mehr als eine Randnotiz zu sein.
Wo bleiben hier die Kinder und Jugendlichen? Was bewegt sie und wer hat ihre Anliegen im Blick? Und wie kann man sie bei der weltpolitischen Unordnung für Demokratie und Menschenrechte gewinnen? Hierfür haben, neben Familie und Freunden, besonders die Lehrkräfte sowie Schulsozial- und Jugendarbeiter*innen eine immens wichtige Funktion. Ob es individuelle Fragen zu Politik, Religion, eigenen Zukunftswünschen, Liebe/n und Beziehungen oder auch Fragen der Zugehörigkeit sind, die in den Klassenzimmern zu Konflikten und gruppenbezogener Abwertung führen – es scheint heute so wichtig wie nie, in Schule und Jugendarbeit Räume für das vertiefte Gespräch zu öffnen, in denen Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Antworten gefunden werden können. Denn hier können und sollen Jugendliche darin unterstützt werden, sich entsprechend
ihrer individuellen Interessen zu orientieren und selbstständige Einordnungen vorzunehmen, statt vorschnell und einseitig Position zu beziehen.
Mit dieser Ausgabe des >blickwinkel zoomen wir hinein in die Praxis: Im ersten Beitrag beschreibt eine Koordinatorin der kommunalen Jugendarbeit, wie sich Probleme in ihrem Arbeitsfeld verschärft haben und welche Möglichkeiten der systematischen Fortbildungs- und Vernetzungsarbeit es gibt, demokratie- und menschenfeindlichen Haltungen entgegenzuwirken. Im zweiten Beitrag wird eindringlich beschrieben, welche Themen Jugendliche bewegen und wie offen diese in den Narrativen Gesprächsgruppen von cultures interactive e. V. besprochen werden können. Vier Fachkräfte, die an unserer modularen Qualifizierungsreihe zum Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen teilgenommen
haben, erzählen, wie sich das kontinuierliche Erstarken von Rechtsextremismus konkret auf ihre Arbeit auswirkt. Und schließlich fassen wir Erfahrungen aus dem Fortbildungsangebot »Nahostkonflikt im Jugendklub!? – Trotzdem im Gespräch bleiben« zusammen, das cultures interactive seit 2024 für Jugendarbeitende aus Friedrichshain-Kreuzberg durchführt.
Zum Abschluss sei der Kollegin aus Oberhavel kräftig zugestimmt, die schreibt: »Wir alle glauben daran, dass es sich lohnt, laut zu sein, Stürme auszuhalten und sich für eine vielfältige und tolerante Gesellschaft einzusetzen.«
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